Januar: 21 Grad. August: 28 Grad. Lanzarotes Statistik klingt, als hätte sie sich das Tourismusbüro ausgedacht, doch sie ist reine Geografie. Die Insel treibt inmitten des Kanarenstroms — eines kühlen ozeanischen Flusses, der aus dem Norden herabkommt — und unter den Passatwinden, die ohne Unterlass lüften. Das Ergebnis ist eines der mildesten und stabilsten Klimata des Planeten: rund dreitausend Sonnenstunden im Jahr, Regen an nur wenigen Tagen, ein Meer, das nie unter 18 Grad fällt, und kein Winter, der diesen Namen verdient. Hier fragt man nicht „Wie wird das Wetter?", sondern „Wie viel Sonne willst du heute?". Eine ernste Warnung: Diese Sonne brennt wirklich, während die Brise es kaschiert. Immer Sonnencreme — Wort des einheimischen Freundes.
Lanzarotes Klima ist das Ergebnis eines geografischen Dreifach-Zusammenspiels, und es zu verstehen macht die Reise interessanter — und den Koffer leichter zu packen.
Erster Faktor: die geografische Breite. Die Insel liegt auf Höhe der Sahara; rein theoretisch müsste sie ein Backofen sein. Zweiter Faktor: der Ozean, der sie rettet. Die Kanaren treiben mitten im Kanarenstrom, einem Ausläufer des großen nordatlantischen Kreislaufs, der gemäßigt-kühles Wasser aus höheren Breiten herabbringt. Dieser ozeanische Fluss umgibt die Insel mit einem Meer, das nur zwischen 18 Grad im Winter und 23 Grad am Ende des Sommers schwankt — und ein derart stabiles Meer ist ein riesiges Thermostat: Es kühlt die Luft im August, wärmt sie im Januar und nimmt dem Klima jede Versuchung zu Extremen. Dritter Faktor: die Passatwinde (alisios), die dauerhafte Nordost-Belüftung, ausführlich in ihrem eigenen Card erklärt, die dem Werk den letzten Schliff geben.
Das Ergebnis ist ein Klima, das Meteorologen zu den mildesten der Welt zählen. Die Tageshöchstwerte bewegen sich fast das ganze Jahr über zwischen 21 und 29 Grad; nachts zwischen 14 und 21 Grad. Es gibt keine kalte Jahreszeit — Lanzarotes „Winter" ist ein Frühling mit kühlen Nächten —, und ernsthafte Hitzewellen sind kurze Besuche, fast immer mit Calima. Und der Regen? Ein Gerücht: etwas mehr als hundert Millimeter im Jahr, konzentriert auf eine Handvoll Tage zwischen Dezember und Februar, oft in kurzen Schauern mit Regenbogen inklusive. Und die Sonne: rund dreitausend Stunden im Jahr, auf dem europäischen Podium. Deshalb geht hier das ganze Jahr über „alles": Strand zu Weihnachten, Wandern im August (früh am Morgen und mit Wasser), Radfahren in jedem Monat.
Nun das Kleingedruckte, das ein einheimischer Freund nie ausspart. Erstens: Die Sonne in dieser geografischen Breite ist wirklich stark, und die Brise ist eine Lügnerin — man spürt die Hitze nicht, aber der UV-Index ist die meiste Zeit des Jahres hoch, selbst bei Wolken. Creme, Kappe und Sonnenbrille sind kein Prospekt-Ratschlag: Sie sind Ausrüstung. Zweitens: Die Brise, die den Strand am Mittag kühlt, kann nach Einbruch der Dunkelheit eine leichte Jacke verlangen, besonders im Winter — das Geheimnis ist das Zwiebelprinzip, sommerlich variiert. Drittens: Das Meer ist sauber und mild, aber es ist offener Atlantik — respektiere Flaggen und Strömungen, besonders an den Küsten im Norden und Westen.
Mit diesen drei gelernten Regeln denkst du schon wie ein Insulaner: Hier ist das Klima kein Gesprächsthema — es ist ein verlässlicher Partner. Einer von der Sorte, die keinen einzigen Tag im Jahr versagt.
