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Ein halber Vulkan, ein grüner See und eine tosende Küste

Lanzarote · 3 Min. Lesezeit

Ein halber Vulkan, ein grüner See und eine tosende Küste

Im El Golfo hat der Ozean einen halben Vulkan aufgefressen — und was übrig blieb, ist eines der berühmtesten Bilder der Insel: ein Amphitheater aus goldenen Wänden und zu seinen Füßen eine Lagune von unmöglichem Grün, durch einen schwarzen Strand vom Meer getrennt. Die Farbe ist kein Filter: Sie stammt von Mikroalgen, die an extrem salziges Wasser angepasst sind. Im Sand glitzern grüne Olivin-Kristalle, das Juwel des Vulkans. Und ein paar Kilometer südlich, bei Los Hervideros, zeigt die Küste, dass der Kampf weitergeht: Die Wellen dringen brüllend in Lavahöhlen ein und explodieren in Schaumsäulen. Es ist die Ecke, an der man das ewige Duell der Insel am besten sieht: Feuer gegen Ozean.

Diese Ecke im Südwesten bietet, auf drei aufeinanderfolgenden Stationen, eine Meisterklasse darüber, was passiert, wenn Feuer und Meer sich jahrhundertelang bekämpfen.

Erste Station: El Golfo. Hier gab es einst einen Vulkan, der einen taktischen Fehler beging — zu nah am Wasser geboren zu werden. Wenn aufsteigendes Magma auf Meerwasser trifft, wird die Eruption außergewöhnlich explosiv: gewaltsam expandierender Dampf, Asche und Fragmente, die in Schüben herausgeschleudert werden. So wurde dieser Kegel gebaut, Schicht für Schicht, aus jenem goldenen, geschichteten Gestein, das der Wind heute zu Kathedralformen geschliffen hat. Danach erledigte die Brandung den Rest: Jahrhundert für Jahrhundert biss sie sich in das Gebäude, bis sie die halbe Struktur mitnahm. Übrig blieb ein zum Atlantik hin geöffnetes Amphitheater — ein halber Vulkan im Querschnitt, sein Inneres zur Schau gestellt, wie ein Lehrbuchdiagramm im Maßstab 1:1.

Am Grund des Amphitheaters wartet der Star: der Charco de los Clicos, auch Lago Verde (Grüner See) genannt. Es ist gefiltertes und hinter einer schwarzen Sandbarriere gefangenes Meerwasser, so salzkonzentriert, dass fast nichts darin leben kann. Fast. Spezialisierte Mikroalgen gedeihen dort millionenfach und färben das Wasser in jenem intensiven Smaragdgrün, das mit Jahreszeit und Licht seinen Ton wechselt. Der Kontrast ist unwirklich: ockerfarbene Klippe, schwarzer Sand, grüne Lagune, blauer Ozean — vier reine Farben in einem einzigen Bild. Der Charco ist Schutzgebiet: Man betrachtet ihn von den Aussichtspunkten aus, ohne zum Ufer hinabzusteigen oder zu baden. Sein Name stammt übrigens von den „Clicos", einer Meeresschnecke, die hier früher reichlich vorkam und die die Fischer sammelten.

Ein geologischer Bonus für aufmerksame Augen: Im dunklen Sand der Gegend glitzern manchmal kleine, grüne, durchscheinende Kristalle. Es ist Olivin, ein Mineral, das mit dem Magma aus Dutzenden Kilometern Tiefe aufsteigt — die Edelsteinversion heißt Peridot. Anschauen, fotografieren, bewundern: ja. Mitnehmen: nein. Jede Handvoll, die in einer Tasche verschwindet, ist Landschaft, die nie zurückkehrt.

Letzte Station: Los Hervideros, ein paar Kilometer südlich. Hier erreichten die Laven der Eruptionen von 1730 das Meer und erstarrten zu einem Labyrinth aus Klippen, Bögen und Höhlen. Rollt eine Dünung heran, drückt sich der Ozean in diese Galerien, und die komprimierte Luft explodiert in Schaumfontänen, die den Aussichtspunkt erzittern lassen — der Name sagt alles: Das Meer scheint zu kochen. Bei starkem Wellengang und Abendlicht ist das ein hypnotisches — und kostenloses — Schauspiel.

Feuer, das baut, Meer, das zerstört, Leben, das das Ergebnis nutzt. Die ganze Biografie Lanzarotes, zusammengefasst auf zehn Kilometern Küste.

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